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Kartenset RUND UM

Palliative Care in der Schweiz 2026

26. August 2026

Von Dr. sc. nat. Stephanie Züllig, Geschäftsleiterin palliative zh+sh

«Der Zugang zu den Angeboten der Palliative Care soll für alle Menschen in der Schweiz möglich sein, unabhängig von Diagnose oder Wohnort.» So steht es auf der Webseite von palliative.ch, der Schweizerischen Fachgesellschaft für Palliative Medizin, Pflege und Begleitung. Ist das eine Vision oder bereits Wirklichkeit?

Allgemein lässt sich feststellen, dass es in der Schweiz im Jahr 2026 in allen Kantonen Palliative-Care-Angebote gibt – sowohl in der Akut- als auch in der Langzeitversorgung, ambulant und stationär. Unheilbar kranke Menschen mit komplexen Symptomen oder in Krisensituationen erhalten spezialisierte Pflege und Behandlung in einem Kompetenzzentrum im Spital, zu Hause durch einen mobilen Palliative-Care-Dienst, im zertifizierten Pflegeheim oder in einem Hospiz. Aber es gibt Unterschiede – nicht alle Kantone verfügen über sämtliche Versorgungsstrukturen und die Finanzierung der Angebote ist nicht überall gleich geregelt.

Der Bund hat zusammen mit den Kantonen im Rahmen der Nationalen Strategie 2010-2015 und der anschliessenden Plattform Palliative Care die Umsetzung zahlreicher Massnahmen angestossen, welche die Palliative Care in der Schweiz gefördert und ihr einen festen Platz in der Gesundheitsversorgung verschafft haben. Dennoch ist die Palliative Care in der Schweiz im Jahr 2026 noch nicht dort, wo sie sein könnte. Insbesondere bei der Finanzierung von Angeboten, die über therapeutische und pflegerische Massnahmen hinausgehen und auch die Angehörigen miteinschliessen, stösst unser System an Grenzen. Soziale und spirituelle Hilfe, wie beispielsweise Unterstützung bei finanziellen Fragen oder in der Trauer, werden in unserem Gesundheitssystem nicht finanziert. Dabei sind sie wichtige Aspekte in der Palliative Care.

Dieser Umstand zeigt sich auch bei den Hospizen. Diese werden meist wie Pflegeheime finanziert, sind aber mehr als das. Neben palliativer Behandlung und Pflege bieten sie Menschen in ihrer letzten Lebensphase auch psychosoziale und spirituelle Unterstützung. Die Kosten für die anspruchsvolle Pflege und intensive Betreuung müssen von den Hospizen sowie den Bewohnenden selbst getragen werden. Hier braucht es einen neuen Lösungsansatz, wie beispielsweise die Ausrichtung einer kostendeckenden Tagespauschale für Hospize.

Auch Kinderhospize fallen durch die Maschen unseres heutigen Gesundheitssystems. Seit diesem Jahr gibt es in der Schweiz zwei Hospize für lebenslimitierend erkrankte Kinder und Jugendliche sowie deren Familien. Die Kinderhospize sind ein Rückzugsort mit ganzheitlichen Angeboten, die neben spezialisierter Palliativpflege auch psychosoziale und sozialpädagogische Unterstützung bieten. Sie begleiten und entlasten Familien in herausfordernden Situationen und schaffen Raum für Erholung. Damit füllen Kinderhospize die Lücke zwischen Spitalaufenthalt und Pflege zu Hause. Doch für solche ganzheitlichen Versorgungsstrukturen sind unsere heutigen Finanzierungsmodelle nicht ausgerichtet. Die Hospize sind auf Spenden angewiesen.

Diese zwei Beispiele zeigen, dass es für die Palliative Care auch im Jahr 2026 noch Verbesserungsmöglichkeiten gibt: Um Leiden zu lindern und die Lebensqualität von schwerkranken Menschen zu verbessern, braucht es Versorgungsstrukturen, die ineinandergreifen und Zugang zu einem Gesundheits- und Sozialwesen schaffen, das unheilbar kranken Menschen – unabhängig von Diagnose und Wohnort – bei Bedarf zur Verfügung steht und beim Spitalaustritt nicht Halt macht.

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